Leopoldina, DFG, Akademieunion

Wege zu einer wissenschaftlich begründeten, differenzierten Regulierung genomeditierter Pflanzen in der EU

Gemeinsames Papier von Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina, Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG), Union der deutschen Akademien der Wissenschaften

Dezember 2019

Am 25.Juli 2018 entschied der Europäische Gerichtshof über die Auslegung der Definition des „genetisch veränderten Organismus“ (GVO) der EU-Freisetzungsrichtlinie aus dem Jahre 2001. Danach unterfallen sämtliche durch Genomeditierung erzeugten Organismen de rechtlichen Regelungen für Freisetzung, Inverkehrbringen, Kennzeichnung und Rückverfolgbarkeit von GVO. Anders als konventionelle Züchtungsverfahren ermöglichen   Genomeditierungsverfahren zielgerichtete, kosten- und zeitsparende Veränderungen (Mutationen) des Genoms von Nutzpflanzen, die sich oft­mals nicht von natürlich auftretenden Mutationen unterscheiden lassen. Die pauschale rechtliche Einstufung als GVO berücksichtigt also weder, welche Art der genetischen Veränderung im genom­editierte Organismus vorliegt, noch, ob diese Veränderung auch zufällig oder durch konventionelle Züchtungsmetho­den   hätte entstehen können. Ebenso bleibt unberücksichtigt, ob der Ursprung der genetischen Veränderung identifiziert und einem bestimmten Züchtungsverfahren zugeordnet werden kann. Die Wissenschaftsakademien und die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) kommen daher in dieser Stellungnahme zu der Schlussfolgerung, dass der vorrangig ver­fahrensbezogene europäische Regelungs­ansatz aufgrund des zunehmenden Auseinanderdriftens von wissenschaftlichem Fortschritt und rechtlicher Normierung nicht mehr rational zu begründen ist. Denn potentielle Risiken können nur von den veränderten Eigenschaften des Organismus als Produkt der Züchtung und nicht vom verwendeten Verfahren ausge­hen. Weiterlesen bei leopoldina.org